Schamanismus und physikalische Medialität - 2/3

Ich hatte das Glück, hier in der Schweiz bei zwei Lakota-Medizinmännern an jeweils zwei Zeremonien teilnehmen zu können, die man aus unserer westlichen Sicht betrachtet, als eine Art Mischung von Schamanismus und Séancen ansehen könnte. Während dieser heiligen Zeremonien und die nicht zur Unterhaltung, sondern für Heilung und Unterstützung gedacht sind, können verschiedenste (physikalisch-mediale) Phänomene auftreten, die auf natürliche Weise eingebettet sind in ein bestehendes kulturelles Glaubenssystem. Jedoch fallen die jeweiligen Vorbereitungen recht umfangreich aus und müssen genau eingehalten werden, es wird z.B. ein Altar mit verschiedenen Bestandteilen aufgebaut, Medizin-Tabak-Beutelchen hergestellt und mit Gebeten besprochen, ebenso während der Zeremonie getrommelt und heilige Lieder gesungen, wie anderes mehr. All das schafft ein ganz eigenes Kraftfeld!

Nie hätte ich vor Jahren gedacht, als ich mich etwas mit der Spiritualität der nordamerikanischen Indigenen beschäftigt habe, dass ich persönlich je an ‘Yuwipi-‘ oder ‘Lowanpi-Zeremonien’ teilnehmen würde. Aus der Literatur war mir bekannt, dass an solchen Zeremonien spezielle Phänomene geschehen können - und nun erlebte ich diese selbst! Lichtlein die im Raum herumflogen, schleierhafte Gestalten die in der Luft schwebten, physische Berührungen durch Ahnengeister, Gesänge und Gepfeife das im Raum erschallt, Steine die auftauchen oder verschwinden, und anderes mehr für das mir teils die passenden Worte fehlen. Das alles war eine wichtige Erfahrung für mich, vor allem bestätigte sich, was ich zuvor gehört und gelesen habe! Dies im Gegensatz zu den Schaman:innen u.a. Amazoniens, die man auch gerne in Verbindung mit physikalisch-medialen Aspekten bringt.
Gerade wenn man die bildnerische Kunst betrachtet, auf der die Wirkung der ‘Pflanzen-Medizin’ dargestellt wird, ist man sehr versucht z.B. an Ektoplasma zu denken, was ich gut nachvollziehen kann. Jedoch habe ich weder hier noch vor Ort selbst, je jemand über so etwas sprechen hören, obwohl gerade das Teilen von Geschichten und Mythologie sehr beliebt ist. In Zeremonien konnte ich aber mehrfach erleben, wie u.a. ‘Ayahuasca’ die Hellsichtigkeit enorm verstärkt. So kann man einerseits ‘Energie’ als solches ‘sehen’, anderseits wird deren Qualität auch in Symbole übersetzt, die man ebenfalls ‘ersieht’. So kann z.B. der ‘schamanische Heilatem’ als Licht- oder Farbwolke ‘gesehen’ werden, oder mein Erbrochenes ‘sah’ ich als lebendig-wuselnde Insekten, auch ‘sieht’ man Geistwesen aller Art und Formen. Aber dies alles hat nichts mit physikalischer Medialität zu tun, sondern mit gesteigerter ‘Hellwahrnehmung’.
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Wer sich tiefer für diese Form der indianischen Spiritualität interessiert, dem empfehle ich die zwei Bücher von THOMAS MAILS,  'FOOLS CROW - Weisheit und Kraft' und 'Ich singe mein Lied für Donner, Wind und Wolken'. Zum Thema Ayahuasca gibt es mittlerweile eine grosse Auswahl an Literatur, fachlich wie erzählerisch, falls man sich tiefer dafür interessiert.
Buch-Text von Martin Nizhoni Gollner-Martin, darin auch beschrieben eine Yuwipi-Zeremonie (S. 267) - ‘IKCE WICASA, Der Überlebenskampf der Lakota und die Liebe zur Weisheit’: Link
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