Zirkel-Ritual Samhain 4-3

In den Mythen unserer Vorfahren, leben bei den Wurzeln des Weltenbaumes die drei Nornen(1). Die eine mit Namen Urd steht für Vergangenheit und Schicksal, die zweite mit Namen Verdandi für Gegenwart und das Werdende, sowie Skuld für Zukunft und Schuld (das, was sein soll). Auf diese möchte ich aber an dieser Stelle nicht tiefer eingehen, sondern auf das weibliche Prinzip verweisen, das schon damals den Wurzeln und der Unterwelt zugesprochen wurde. Aber nicht nur das, sondern im damaligen Glauben war es auch so, dass Sterbende aufgeteilt wurden zwischen der Göttin Freyja und dem Gott Odin. Während sie die ihren in ihr Reich und ihren Palast brachte, führt er die seinen in seine Welt. Natürlich ist es insgesamt etwas differenzierter, und so gab es genaue Vorstellungen wer und warum 'nach hier' oder 'nach dort' kam, mir aber geht es im Moment um diese interessante Zweiteilung. Wichtig ist es dabei zu verstehen, dass wir es mit weiblichen und männlichen Prinzipien/Archetypen zu tun habe, und diese jeweils sowohl für Frauen und Männer gelten, es ist also nicht so, dass das Unten nur für die Frauen und das Oben nur für die Männer ist.

 

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Séance-Kabinett mit 'Geister-Lichtlein'.
Séance-Kabinett mit 'Geister-Lichtlein'.

Im vorhergehenden Textteil habe ich geschrieben(3-3), dass ich in Verbindung mit der Unter-Welt nur die Kristallschädel und die Katakombenheiligen kenne, die einen ganz bestimmten Aspekt von Sterbe-, Heil- und Bewusstseinsarbeit abdecken. Beide erlebe und sehe ich als Werkzeuge um 'das-Sterben-ins-Leben' zu erleichtern, und sich dem unteren Selbst und der Unterwelt zu öffnen, da sie beide heilige Symbole des Todes sind. Die Betonung liegt dabei auf 'heilige Symbole', denn sie sind nicht einfach nur ein Skelett oder ein Schädel, und die damit ausschliesslich für Tod und Vergänglichkeit stehen. Sondern der Schädel ist aus Kristall oder einem anderen edlen Gestein, zumeist eingesegnet und beritualisiert, und damit einer tieferen und höheren Absicht zugeführt. Auf diese Weise wird er zum heiligen Objekt und Symbol, der für den helfend-heilenden Tod(die Tödin) steht, die das verletzte, ängstliche oder festhaltende Ego und Ich, zum schmelzen, loslassen und wandeln bringen. Dabei geht es wie schon gesagt um das-Sterben-ins-Leben, oder anders ausgedrückt, um das-Sterben-ins-Selbst hinein, was schlussendlich aber immer etwas besser-tiefer-grösseres mit sich bringt.

 

Bei den Katakombenheiligen sehe ich die Symbolik ganz ähnlich, allerdings geht diese sogar noch einen Schritt weiter (wobei sich auch diese auf einen Kristallschädel übertragen lassen würde). Hier stammt Schädel und Skelett von einem Menschen der gelebt hat und verstorben ist, und damit für den normalen Tod und die Vergänglichkeit steht. In einem geheiligt-religiös- spirituellen Ritual wird jedoch dieses Skelett genommen, mit edlen Stoffen, Steinen und weiteren Materialien dekoriert, und damit einer tieferen und höheren Absicht zugeführt. Leider ist heute so etwas kaum mehr umsetzbar - weil das Verständnis fehlt -, aber bewusst-unbewusst haben die Menschen damals auf diese Weise ein mächtig-archetypisches Kraft- Symbol geschaffen. Denn abgesehen von den absichtlich zugesprochenen Segens- und Heil- Wirkungen dieser Heiligen, gab und gibt es die mehr tieferen und inneren 'Verwandlungen'. So unterstützt dieses 'Wesens-Kraftfeld' ebenfalls darin in das Leben, das Selbst und in den physischen Tod 'hineinzusterben', aber noch mehr ist hier die Verwandlungskraft symbolisiert: das Absteigen in die Unterwelt, die Verwandlung dort, das Aufsteigen zurück in die Mittelwelt.

 

Für mich persönlich ist der Kristallschädel ein Werkzeug um beim (inneren) Sterben und Loslassen zu helfen und sich seinen (schlimmsten) Ängsten zu stellen, und als Gegenpol hilft, Hingabe und Vertrauen in sein heilendes Inneres zu entwickeln. Die Katakomben-Heiligen stehen für dasselbe, ebenfalls unterstützen beide dabei in der Tiefe des Selbst seine wahren Talente, Fähigkeiten und Aufgaben zu erkennen, eröffnen und anzunehmen. Diese Heiligen unterstützen jedoch insbesondere noch, wenn es um den 'Verwandlungsprozess' als solches geht, um leichter vom Alten in das Neue zu kommen. Es ist jener Prozess, wenn der normale Mensch 'hinabsteigt', zerstückelt, vernichtet oder aufgelöst und dann neu zusammengesetzt wird, und wenn er dann z.B. zum (echten) Schamanen, Heiler und Künstler wird(2). Dieser Prozess der teils sehr beängstigend und gar grauenhaft sein oder werden kann, wird auch von der einheimischen und zweifarbigen Göttin Hell (Frau Holle) symbolisiert, findet sich aber auch bei der indischen Göttin Kali. ..... Und als mehr sanfte Begleitung und Führung auf diesem Unterwelt-Weg, haben wir die schwarze Madonna oder den schwarzen Christus. .....

 

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Als seltsame Synchronizität, passend zur Jahreszeit und meinem Hineinsinken darin, habe ich zwischen dem letzten und diesem Textteil erfahren, dass ich Hautkrebs habe. Nur ein paar Tage zuvor habe ich geträumt, dass ich in einem Schwimmbecken herumtolle und voller freudiger Neugier tief und bis zum Grund hinabtauche - und dort ein paar Ohrringe und eine Männeruhr finde. Ein weibliches Symbol(Anima) also das unter anderem auf das Loslassen und die Hingabe, sowie auf das Hören(Ohr) verweisst, während die Männeruhr der männliche Gegenpol(Animus) darstellt, jedoch war die Uhr kaputt und lief nicht mehr. Ausserdem waren die Zeiger um 12 Uhr stehen geblieben, es war nicht einmal mehr 5 vor 12, sondern knapp vor 12. Als ich aus diesem Traum aufwachte, machte mir das Angst und einmal mehr war ich innerlich mit dem Tod konfrontiert und der Frage, wie viel Lebenszeit mir noch bleibt(?).

 

Ein paar Tage später träumte ich von einer alten Bekannten(Anima-Aspekt), die es zu Lebzeiten alles andere als leicht hatte, nun aber ganz heil und kraftvoll daher kam, aber vor sich einen jungen Kater(Animus-Aspekt) hertrieb. Sie wollte mit dieser Katze nichts zu tun haben, die nicht nur halb verhungert, sondern irgendwie auch krank schien, und es war völlig klar, dass ich es bin der sich nun um dieses Tier kümmern muss. ..... Zwischenzeitlich und nachdem ich mich von meinem ersten Schock etwas erholt habe, habe ich einen ersten chirurgischen Eingriff im Gesicht mit Haut-Transplantation abgesagt, weil mir das zu invasiv ist. Ich brauche nun eine professionelle Zweitmeinungen und wenn möglich Behandlungs-Alternativen, aber da muss ich jetzt noch geduldig ausharren bis im Januar. Aber das was es zwischenzeitlich mit mir macht, bringt mich innig mit der Endlichkeit des Lebens in Kontakt.

 

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1 = Nornen 1 / 2 / 3 / 4 /   2 = Hartmut Kraft, Über innere Grenzen / Initiation in Schamanismus, Kunst, Religion und Psychoanalyse - Dietrichs Gelbe Reihe (x).

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