Berg-Initiation (Apukuna Karpay) 4.1

Seit der Übertragung der 'Apukuna Karpay' (Berg-Initiation), sind mittlerweile über drei Wochen vergangen, Zeit die ich gebraucht habe um zuerst einen weiteren Text zu schreiben, und folgend meine Seminar-Notizen zu ordnen. Diese 'schreibende Verarbeitung' ist wichtig für mich, um dem Ganzen einerseits in mir eine Ordnung zu geben, anderseits um erkennen zu können, wo ich nach dieser Initiation nun stehe. So sind mir z.B. in meinen Seminar-Notizen einige Lücken bewusst geworden, die ich aber zur Zeit nicht schliessen kann, da die Paqos nun wieder in Peru sind. Allerdings kann ich das auch einfach so stehen lassen, denn ich kann es nicht ändern, statt dessen animiert es mich 'kreativ' zu werden und selbst in mir nach Antworten zu suchen. So oder so ist der nächste Schritt, dass ich nun zuerst innerlich und äusserlich so weit wie möglich zurücktrete und alles 'Fremde' loslasse, um erneut im Innen und Aussen ganz bei mir selbst anzukommen. Es gilt, auf gewisse Weise ganz von vorne anzufangen, zwar Altes und Neues zu verbinden und zu integrieren, aber damit im Hier und Jetzt, aus mir und mit den einheimischen Spirits, etwas persönliches zu erschaffen.

 

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Übergang ........ und erneut am 'Wurzel-Ort'.
Übergang ........ und erneut am 'Wurzel-Ort'.

Einige wenige Jahre vor Peru war ich in Guatemala und die Arbeit und Initiationen in diesem Zeitraum, haben mein Leben angefangen deutlich zu verändern und bewegen. Schon immer habe ich Perioden von Wachstum, Wandel und Neuerung gekannt, aber vor und nach Peru traten erste wirklich intensive Phasen der 'Reinigung' ein. Mehrfach begegnete ich (innerlich) dem Tod, löste mich darauf hin fast von meinem ganzen Besitz, nur um in einer gefühlten zweiten Lebenshälfte 'neu' zu beginnen. Während ich äusserlich ein neues Leben begann mit neuer Wohnung, neuer Frau und neuen Kindern, 'schälte' ich mich innerlich jedoch langsam immer weiter ab. .. Zu sagen, dass dieser Prozess bis heute anstrengend und herausfordernd ist, trifft es ziemlich genau, allerdings ist es auch immer wieder interessant und aufregend. Denn auch das ist eine Form von sich neu finden und erkennen, ein langsames Herauslösen aus seiner bisherigen Geschichte, ebenso aus dem Wissen und den Glaubensvorstellungen die man (an)gesammelt hat. Jedoch geht es nicht darum das Alte mit etwas ähnlich Neuem zu ersetzen, sondern es geht darum, in das was wirklich ist, in das Sein einzutreten.

 

Das hört sich etwas hochgestochen an, auch wenn es das überhaupt nicht ist, das Gegenteil ist der Fall, denn es geht darum zum Natürlichen und Unmittelbaren (zurück) zu finden. Im Falle der Berg-Initiation heisst das für mich, alles 'Unnatürliche' und 'Fremde' loszulassen und innerlich nackt vor 'meine' Steine, Felsen und Berge zu treten, und mit ihnen zu sprechen und kommunizieren. Es geht dabei darum einerseits von und mit diesen zu lernen, anderseits zu wachsen und über sich und das Bisherige hinauszugehen. Allerdings ist dieses Vorgehen nur die Erweiterung, für etwas das eigentlich in meinem Inneren und ganz grundsätzlich abläuft, seit dieser Prozess vor Jahren angefangen hat. Niemals habe ich geglaubt oder erwartet, dass dieses sich 'Häuten' und 'Schälen' so weit gehen würde, dass auf gewisse Weise nichts mehr übrig bleibt oder übrig bleiben könnte. Dass mir (fast) alles unter den Händen zerrinnt, was ich je geglaubt habe, oder von dem ich gehofft habe, dass es so oder so ist, oder denn auf eine bestimmte Art sein könnte. Und so habe ich in diesen Bereichen der Spiritualität einen Kreis von 35 Jahren gedreht nur um schlussendlich zu merken, dass da 'nichts' ist!

 

Diese Erfahrung, dieses innere Erleben, ist eine der schmerzlichsten Erkenntnisse die ich auf diesem Weg je gemacht habe ....., nicht der Weg war das Schlimmste - dieser war sogar sehr abenteuerlich -, sondern dieses Erkennen ist es. Dieser Weg von 35 Jahren ist und war auch nicht falsch, denn er hat mich einerseits sowohl kreis- wie spiralförmig, auf einer höheren und tieferen Ebene zu mir zurück gebracht. Anderseits und auf einer mittleren Ebene, stehe ich immer noch am genau gleichen inneren Ort und Platz wie vor 35 Jahren, und bin dort noch kein einziger Schritt weiter gekommen. Dabei bin ich so unglaublich viele Schritte gegangen, habe so viel gearbeitet und getan, sowohl in der äusseren wie in der inneren Welt, nur um dann am gleichen Ort anzukommen, von dem aus ich gestartet bin. Und gestartet bin ich mit wehenden Fahnen, hoch aufgerichtet und voller Stolz, und zurück komme ich - symbolisch gesprochen - gebeugt und in der Kleidung eines Bettlers. ........ So etwas muss man selbst erfahren (haben), dass man meine Worte nur im Ansatz verstehen und nachvollziehen kann, dass das (Ego-)Ich verlieren, loslassen und demütig werden muss, um 'gewinnen' zu können.

 

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Man mag sich fragen, was all diese meine Worte bei dem Thema der 'Apukuna Karpay' zu tun haben - nun, für die meisten Menschen wohl nichts! Für mich aber sehr viel, denn ich muss nun mit all meinem 'Nichts' an die Berggeister herantreten, oder ganz allgemein an die Geister und Kräfte der Natur. Früher hätte ich das aus einer Position des 'Überhöhten' und des 'ICH-mache-das' angegangen, jetzt kämpfe ich mit meinem Ego, dass ich halbwegs demütig an das Ganze herantreten kann. Denn die Wahrheit ist, dass obwohl ich hunderte Bücher gelesen habe, eigentlich kaum etwas wirklich weiss und damit nichts anderes übrig bleibt, als von den 'Kräften' im unmittelbaren Leben zu lernen. Und das ist dann ein 'natürlicher Schamanismus', nicht überhöht, nicht überheblich und nicht künstlich, sondern ein respektvolles Herantreten an die Kraft und Wesen, und dann schauen was sich daraus ergibt. Denn das Wort Schamanismus ist ja eigentlich nur eine theoretische Hülle in das viel hinein gepackt oder hinein interpretiert wird, aber in der Praxis und im Praktischen selbst, ist das Wort ziemlich ohne Belang, und da zählt nur der wahrhaftige und authentische Kontakt.

 

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